Ist Kaffee gut fürs Herz? Was die aktuelle Forschung wirklich zeigt
Kaffee gehört für die meisten von uns zum Alltag – doch lange galt er als potenzieller Risikofaktor fürs Herz. Neuere, groß angelegte Studien zeichnen ein deutlich anderes Bild: In moderaten Mengen genossen, scheint Kaffee das Herz-Kreislauf-System eher zu schützen als zu belasten. Wir haben uns die aktuelle Studienlage angesehen.
Moderate Mengen: eher Schutz als Risiko
Mehrere große Kohortenstudien der letzten Jahre kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Wer zwei bis fünf Tassen Kaffee am Tag trinkt, hat im Schnitt kein erhöhtes, sondern eher ein reduziertes Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfall im Vergleich zu Menschen, die keinen Kaffee trinken. Bis zu rund 400 mg Koffein pro Tag – das entspricht etwa vier bis fünf Tassen gefiltertem Kaffee – gilt für die meisten gesunden Erwachsenen als unbedenklich.
Wichtig ist dabei immer die Betonung auf "moderat": Die schützenden Effekte zeigen sich bei üblichem Konsum, nicht bei exzessiven Mengen, und sie gelten nicht uneingeschränkt für jeden – bei bestimmten Herzrhythmusstörungen oder hohem Blutdruck lohnt sich immer ein Gespräch mit dem Hausarzt.
Der Zeitpunkt könnte eine größere Rolle spielen als gedacht
Eine 2025 im European Heart Journal veröffentlichte Studie mit über 40.000 Erwachsenen liefert einen besonders interessanten Befund: Nicht nur die Menge, sondern auch der Zeitpunkt des Kaffeekonsums scheint entscheidend zu sein. Menschen, die ihren Kaffee überwiegend am Vormittag tranken, hatten ein um 31 % geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, und ein um 16 % geringeres Risiko für Sterblichkeit insgesamt – verglichen mit Menschen, die keinen Kaffee tranken. Bei Menschen, die über den ganzen Tag verteilt Kaffee tranken, zeigte sich dieser Effekt dagegen nicht.
Eine mögliche Erklärung: Kaffee am Nachmittag oder Abend könnte den natürlichen Tagesrhythmus von Hormonen wie Melatonin stören, was sich wiederum auf Blutdruck und Entzündungswerte auswirken kann. Wer also ohnehin gerne Kaffee trinkt, tut seinem Herzen möglicherweise einen zusätzlichen Gefallen, wenn er den Großteil davon in der ersten Tageshälfte genießt.
Filterkaffee: die herzfreundlichere Zubereitung
Auch die Zubereitungsart macht einen Unterschied. Ungefilterter Kaffee – etwa French Press oder türkischer Kaffee – enthält mehr sogenannte Diterpene, Fettverbindungen, die den Cholesterinspiegel erhöhen können. Ein Papierfilter hält den Großteil dieser Stoffe zurück. Wer auf seine Herzgesundheit achtet, ist mit gefiltertem Kaffee also tendenziell auf der sichereren Seite – ein Aspekt, der bei der Wahl der passenden Kaffeemaschine durchaus eine Rolle spielen kann.
Was heißt das für den Alltag?
Zusammengefasst sprechen die aktuellen Daten für ein entspanntes Verhältnis zum Kaffee: In moderaten Mengen, bevorzugt in der ersten Tageshälfte und idealerweise gefiltert genossen, scheint Kaffee die Herzgesundheit eher zu unterstützen als zu gefährden. Wie immer bei Ernährungsthemen gilt: individuelle Verträglichkeit und bestehende Vorerkrankungen sollten im Zweifel mit einem Arzt besprochen werden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.